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Liebe Freunde meines Tagebuchs!

Hier erstmal der Anfang bis zum 13. April 2005. Weitere Monate finden Sie im Mainmenue unter "Tagebuch".

13. April

 

Ich habe viel gearbeitet die letzten paar Tage - mein innerer Schweinehund dankt mir diese permanente Gewitter im Gehirn immer mit einer ausgiebig zu genießenden Migräne-Attacke. Ich habe aber schon bei Zeiten beschlossen, das nicht als Krankheit zu sehen, sondern als Dialog meiner Ichs. Migräne ist der Punkt, an dem nichts mehr geht, an dem kein Auftrag lukrativ genug ist um auch nur das Licht im Büro anzumachen. Migräne bringt das Leben wieder auf den Punkt.

3. April

Papst Johannes Paul II ist tot und ich bin ehrlich gesagt sehr traurig, weil ich ihm lange Unrecht getan habe - was habe ich mich aufgeregt über das Nein zu Verhütung und Schwangerschaftsabbruch. heute sehe ich das alles etwas anders: Natürlich bin ich dafür, dass Mensch selbst so Dinge entscheiden muss und nicht der Papst, aber der Papst hat ja auch eine ganz andere Rolle als ich. Er ist ein Wächter und jemand, der sich Sorgen macht um die Zukunft. In einem sind wir uns einig: Letztendlich bedeutet der Gipfel der Spaßgesellschaft das Ende der Welt. Der Tag, an dem jeder alles darf und sich jeder alles leisten kann, unabhängig davon, ob er andere dadurch beeinträchtigt - dieser Tag ist der letzte. Das hat er - glaube ich gemeint und damit die Frage angeschnitten: "Wann ist ein Papst modern?" Wenn er Leuchtdioden im Fischerring hat oder die Jeans auf den Knien hängt? Wenn er sagt "Kiffen ist ok" und Swingerclubs sind ok für den Weltfrieden? Die Spießer sind wir, nicht er! Man muss nur einmal am frühen Abend mit dem Regionalzug von Hamm nach Soest fahren - da fällt es einem recht deutlich wie Schuppen von den Augen, dass diese Welt nicht noch mehr Freiheit und noch mehr Konsum braucht, sondern nur etwas mehr Inhalt. Beruflich entsteht vor meinem geistigen Auge gerade www.brennholz-deutschland.de


14. März

Wenn's eins gibt, was ich nicht mag, dann ist es Entrüstung! Entrüstung ist für mich nicht mehr als das Eintreffen erwarteten Versagens und sich dann darüber aufregen. Entrüster machen das gerne, haben sie doch erst dann ein Podium, wenn sie sich über jemanden erheben können. Komisch - mir ist manchmal mancher Anlass sympatischer als die Entrüstung darüber. Ich entrüste mich am liebsten über Entrüstung. Deshalb liebe ich Leserbriefe, am besten ganze Seiten volll, denn die liebste aller Fragen ist mir diese: "Wie kann man sich denn darüber so aufregen?".

11. März

Gerade räume ich die Küche aus, Sylvia kommt morgen aus dem Ski-Urlaub zurück.

Morgen um 9 kommt die Putzfrau, dann müssen alle Kinder aus dem Haus und die Hütte wird erst wieder betreten, wenn mein Schätzchen da ist. Hoffentlich stellt sich die Perle den gestiegenen Ansprüchen in der doch sehr angegriffen wirkenden Wohnstatt.

Egal uns ist es gut ergangen, wir hatten jede Mege Spaß und nur der Hund hatte Durchfall, was nichts mit Trennungsschmerz nach einer Woche ohne Frauchen zu tun hatte, sondern vielmehr mit den Hähnchenresten, die er sich aus dem Komposteimer geklaut hatte. Dass er dann unbedingt unter meinem Schreibtisch mit den Folgen seines Dünnflitzes kämpfen musste, fand ich persönlich jetzt weniger angenehm. Hauptsache, wir leben noch und man muss halt Opfer bringen.

Wofür? Für die Erleuchtung, die so ein freies und naturbelassenes Leben bringt. Wie gesagt: Ich räumte eben die Küche auf und wie ich so die Reste der Buchstabensuppe durch den Ausguss drücke entsteht ein Wirbel aus Nudel-Buchstaben, der etwa so aussah: Tech söchn, ssad ud omgren derwie da isbt - riw verssimen chid ehsr!! Und ich konnte es klar und deutlich lesen und hatte das gleiche erleuchtete Gefühl wie damals mit 16, als mir beim Lesen von Bölls "Ansichten eines Clowns" Schuppen von den Augen fielen, die sich in letzter Zeit wieder angesammelt hatten und mir den Blick trübten. Die Strohwitwerei hat also doch Vorteile.

5. März

Die Zeit rennt dahin und es passieren soviele Dinge, die man aufschreiben sollte. Z.B. als der Ansbeinpinkler einem wieder ans Bein pinkeln wollte, oder Sonjas Verzicht auf Ihr Gästebuch - das waren schon Dinge, über die ich gerne geschrieben hätte. Aber letztendlich musste ich wieder der Zeit hinterherhetzen - denn ich hatte mal wieder keine. Dafür scheint der Ansbeinpinkler zu viel zu haben und auch die Leute, die aus Sonjas Gästebuch einen virtuellen Psychopatentreff machten, hatten definitiv zu viel Zeit. Heute nehm ich mir Zeit - ich hab alles erledigt, etwas Geld verdient, Sylvia ist im Urlaub. Jetzt wär Zeit für etwas Ruhe - und da hab ich sie plötzlich: die Zeit. Meine Güte, wo war sie gestern, als ich sie so dringend gebraucht hätte, wo war sie am Mittwoch, als ich Migräne bekam vor lauter Zeitlosigkeit? Komisch, wenn man so gar nix mit ihr anfangen kann, dann liegt sie da rum, die Zeit. Dann hat man sie im Überfluss. So ganz nebenbei würde ich gerne 1500 Festmeter Holz kaufen - hat einer eine Idee? Ach übrigens: In den nächsten Tagen schreibe ich hier eine unglaubliche Geschichte über Sex, Drogen und ägyptische Blutrache. Mal schauen, wie sich das auf die Besucherstatistik auswirkt.

15. Februar

Ella ist aus dem Krankenhaus heraus - ich danke herzlich dem Team der Uniklinik Münster auf der Schulkinderstation und ganz besonders Frau Dr. Damann. Ich will hier nicht viel über Autoimmunhepatitis referieren, aber sollte jemand diesen Eintrag über Google finden und selbst betroffen sein, kann er mich gerne anmailen. Dem kleinen Tim wünsche ich viel Glück im Leben - du hättest es verdient.

14. Februar

Der Fußballskandal teilt das Land: Während die einen Herrn Hoyzer für das schlimmste je an der Menschheit begangene Verbrechen (seit der Verführung Adams) am liebsten lebenslänglich wegsperren möchten, hat die andere Hälfte der Bevölkerung eine ganz andere Sichtweise: "Der sieht ja gut aus!" sagt meine Frau - Fußball interessiert sie nicht....

2. Februar

Uniklinik Münster - Auch die können nicht genau sagen, was sie denn nun hat - auf jeden Fall darf sie wieder zur Schule und zum ersten mal seit langem haben wir das Gefühl: "Das ist jetzt sicher und kontrolliert!" Ein tolles Krankenhaus mit tollen Leuten. Unglaublich bemüht und nicht so abgestumpft, wie ich das befürchtet hatte. Für diesen Tag bin ich wirklich dankbar. Hätte ich nicht am Abend erfahren, dass mein Kumpel Bruce schwer verletzt im Krankenhaus gegen die Folgen eines bösen Arbeitsunfalles kämpft. Ella sagt: "Das kann ich mir gar nicht vorstellen, Bruce ist doch so stark!" Nun liegt der vollbärtige Muskelmann hilflos am Tropf und die 29 kg-Ella schwebt ihrer Genesung entgegen. Es ist schon komisch, wie wenig Rücksicht das Schicksal auf das nimmt, was uns richtig oder logisch erscheint. Zur Zeit ist meine Kleine stärker als der mächtige Bruce, der hoffentlich bald wieder Bäume ausreißen kann. Gesund müssen sie beide werden - die Tochter und der Freund - verdient haben sie's beide!

24. Januar

Beim IKEA-Schrank-Aufbauen bekomme ich Unterstützung von Lars. Lars ist gerade die Pampers los, übt den sicheren Schritt, pupst bei Blähungen noch frei heraus und ist als angehender Feuerwehrmann schon jetzt die Hilfsbereitschaft in Person. Ich habe ihn unterschätzt den kleinen Mann: "Ey Lars, gib mir doch mal diese kleinen Holzdinger 'rüber" - Lars kuckt und meint: "Wir sagen Dübel dazu!"

23. Januar

Kant, Hegel, Nietsche, Freud - der Sohn ergründet sämtliche Ichs derzeit im Schnelldurchlauf. Der Vater ist natürlich zu blöd, zu alt, zu spießig, um da folgen zu können. Gut, das ist ja auch kein Wettbewerb; das Leben ist ja nun mal kein Quiz. Lebenserfahrung ist durch nichts zu ersetzen - so Sprüche hört der kleine Philosoph nicht gern und als der nun mal nicht als spießig gelten wollende Vater sagt das auch erst gar nicht. Meine Weisheit ist greifbarer. Z.B.: IKEA-Bauanleitungen stimmen immer, da gibt es keine Druckfehler, das passt immer und es fehlt auch nie eine Schraube. Nietsche Junior kriegte auf jeden Fall das Lattenrost nicht zusammengeschraubt. Ich hab's dann eben lässig hingezaubert mit eben gerade der Arroganz im Blick, die nur Lebenserfahrung ins zerfurchte Ledergesicht meißeln kann.

15. Januar

Lasst uns mal ernsthaft über Demütigung reden. Zum Demütigen gehören ja immer zwei - doch die künstliche Intelligenz steht bedrohlich vor der Tür: Neulich hat mich ein Anrufbeantworter gedemütigt! Er hat mich einfach weggedrückt, bevor ich was wirklich Wichtiges sagen konnte. Sauerei! Das ist so, als wie Leute auf'ner Party mitten im Gespräch abwürgen - kann ich gut! Aber man sieht: Alles im Leben rächt sich...

11. Januar

Es lebe das Ehrenamt, aber wer sagt denn auch mal denen, die für ein Ehrenamt nun mal partout keine Zeit haben, dass sie auch gute Menschen sind? Unser Bürgermeister z.B. hat ja nun einen 10 bis 12 Stunden-Tag und nicht mehr ganz so viele Kapazitäten frei wie früher. Das hat meine Schwester neulich bei einem Zeitungstermin erkennen müssen. Keiner konnte sie wirklich umfassend über "reisende Schläge" aufklären, denn der Pressewart der Taubenzüchter war nicht anwesend. Hat halt keine Zeit mehr, jetzt als Bürgermeister. Also: Ich verstehe das!

10. Januar

Wenn das nicht lustig ist! - Kommt immer drauf an, wo man die Betonung legt. Ich habe auf jeden Fall eine unglaubliche Geschichte gehört, von einem, der für gute Geschichten bekannt ist. Seine aktuelle Geschichte ist so gut, dass er sogar dem örtlichen Karnevalsverein offiziell und per einstweiliger Verfügung verboten hat, aus der schier unglaublichen Mär einen Motivwagen zu bauen. Schade eigentlich, denn die Karnevalisten hätten es sicher geschaft, mit ihren Anspielungen korrekt das Ziel zu treffen.

23. Dezember

Yo, das war's dann! Volle Socke Weihnachtsalarm! Und wie fett kam das: Heute morgen der Weihnachtsgruß vom Bürgermeister! Macht seinen neuen Job gerade mal 2 Monate, arbeitet 10 Stunden am Tag und bereut keinen davon. Da hat er mir was voraus: Da gab's ein paar Tage in 04, an denen wär ich besser nicht aufgestanden, aber egal. Ich find's korrekt, dass er jetzt doppelt so viel arbeiten muss wie früher, weil er kriegt ja auch doppelt so viel Geld. Und sonst? Yo, Weihnachten morgen! Muss ja, kommt man nicht drum herum. Meine Schwester wollte gerade unser Raqulette ausleihen. Sag ich: "Hör mal Inni, alles, aber nicht das Raqulette!" Weil Weihnachten ist bei uns immer Raqulette. Raqulette ist das Gerät, was den Weißwein, der zum Essen passt, immer so schön warm macht. Raqulette an Hl. Abend muss sein, da gibt's nie Streit, weil sich jeder in die Pfanne hauen kann, was er gerade so will. Ich zum Beispiel Putenbrust mit Erdnussbutter. Dann sitzen wir da und denken über die Zeit vor Weihnachten nach - wie's so überhaupt dazu kam und wieso das schon wieder ist. Na ja egal, muss mich jetzt erstmal um meinen Spamfilter kümmern - der pfeift wegen Weihnachten auf dem letzten Loch und mein Virenschützer ist echt im Streß. Haben beide viel zu tun in diesen Tagen!

9. Dezember

Im guten alten früher war ja auch nicht alles so toll. ich weiß z.B. dass ich mich früher relativ oft auf die Schnauze gelegt habe. Kann mich noch gut dran erinnern - unten in der Güldenen Tröge - wollte ich nach Iglers einbiegen mit Klaus' Rennrad und rawumms, lag ich da - Glatteis! Oder dann mit der Mofa unten an der Gaskugel, wie ich da nicht mehr rausgekommen bin aus der vereisten Spurrille - rawums, lag ich da. Oder dann später mit dem Moped, wie ich mit Sonja hinten drauf am Eisenberg auf einem 2 cm breiten Eisrinsal ausgeschliddert bin - rawums, lag ich da und das Arsch, dass da unbedingt bei Minus zehn Grad sein Auto waschen musste, der lachte noch. Sowas bleibt hängen. Da erinnert man sich dran, weil's weh tat und sich in die Seele ritzte. Heute falle ich seltener hin, meist krieg ich schwuchtelig fuchtelnd noch irgendwie wieder die Balance: Sieht scheiße aus, wie Stöckelschuh auf Waldweg, aber wenigstens flieg ich nicht hin. Und da ist sie wieder die alles entscheidende Frage: Ist das Angst oder Erfahrung?

30. November

"Vorsicht, Klugscheißer!" - Das hat man früher öfter gehört - heute weniger, denn die Leute reden ja gar nicht mehr miteinander. Wenn sich Themen wie künstliche Busen, Hausfrauentausch oder Maden-Burger im Dschungelcamp nicht gerade multimedial aufdrängen, dann hat man ja gar nix zu reden. Früher konnte jeder mitreden: "Du alter Klugscheißer"! hat man ihn dann gescholten. heute hälst du besser die Klappe, wenn du nicht bis mindesten 24 Uhr Fernsehen gekuckt hast oder Pamela Anderson an der Brustwarze erkennen kannst. Heute wird so wenig klug geschissen, dass ich mir um die Bildung dieses Landes Sorgen machen - wird ja alles besser, jetzt wo man promovieren muss bevor man im Kindergarten arbeiten darf. Das ist doch mal ein Ansatz.

27. November

Ich hab mir gedacht: "Mach doch mal 'ne Revolution!" - Ich schnipsel mir den Roten Stern aus Tonpapier und analysiere erst mal den Stand der Dinge. Das müssen Revolutionäre nämlich machen weil nix ist schlimmer als Revolution wenn man nachher merkt "Da gab's ja gar keinen Grund dafür!" Ich also brainstormmäßig gekuckt, was denn da nicht geht im Staate Schmallenberg. Und dann kritische Fragen. Ist Unzufriedenheit Grund genug für eine Revolution, ist die Dummheit der anderen heilbar? Ist das, was mir nicht passt, automatisch doof? Und überhaupt: "Hab ich überhaupt die Zeit für eine Revolution - und (viel wichtiger): Wer zahlt mir das? Also setz ich mich hin und denke: "Scheiß Revolution, macht doch gar keinen Sinn - und überhaupt: Wer will das wissen? Alzheimer hat mich noch nicht so fest im Griff, als dass ich Gefahr liefe, mich täglich mehr als einmal zu überschätzen. Revolution ist der Wille zur Veränderung, der Wille zur Verbesserung, der Wunsch die Ketten abzulegen und Sterben für eine bessere Welt! Nein, Nein - so jemand bin ich nicht - bin ja auch schon viel zu alt (43). Da macht man sich ja lächerlich vor den Kindern: "Ey Alter, was geht, wieder bisschen Revolution heute?" Wenn das stille Aufbegehren Schwert einer weich gespülten Seele ist, dann gehe ich lieber in mich statt die rote Fahne schwenkend auf die Straße, wo "Tempo 30" jeder Revolution die Fahrt nimmt. Ich stehe auf wie ein Mann und stelle mich hinter mich: "Ja, du bist ok und machst das, was du machst ganz ordentlich!" Ich will nicht, dass mir meine eigene Revolution in den Hintern tritt und mich entblösst und dastehen lässt, als wäre ich ein alter müder Held. Wenn es Wörter gibt, die mir heilig bleiben, dann gehört "Revolution" dazu. Eine Hausfrauenrevolution z.B. sollte ihre Töchter nicht in die geschönte Knechtschaft entlassen. Eine Revolution, die das Revoluzzerleben preist ist keine Revolution sondern ein Kaffekränzchen.

26. November

Warum ich gerne Brennholz verkaufe? Weil mir Arbeit Spaß macht - immer noch! Gut, es ist alles ziemlich anstrengend aber allemal besser, als sein Leben anderen Leuten in die Hand zu legen und zu sagen: "Mach mal!" - "Ja lohnt sich das denn?" fragen besorgte Mitmenschen - "Ja was denn?" frage ich: "Das eigene Leben leben oder das Holz verkaufen?" Ich weiß es selbst nicht, bleibe aber ganz gelassen, weil ich keinen Grund weiß, mich zu beschweren. Ich kenne Leute, die müssen nicht jeden Tag Anhänger mit der Hand voll Brennholz laden, die liegen auf dem Sofo und können tun und lassen, was sie wollen. Und was tun sie? Sie liegen auf dem Sofa. Und jetzt kommt die wirklich wichtige Frage: "Ja lohnt sich das denn?" - "Ja was dann?" frage ich: "Das auf dem Sofa liegen oder das Leben?" Mit einem ähnlich wichtigen Thema beschäftigen wir uns demnächst: "Was heißt denn hier Niveau!?!

12. Oktober

Heute fällt mir nichts ein, daher sei mal Platz für den Spruch des Tages, den ich am Sonntag zufällig aufschnappte und der natürlich in keinem Zusammenhang zu aktuellen Ereignissen steht: "Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihren Schlachter selber!"

10. Oktober

Unglaublich - mit 59 Prozent aller Stimmen hat Manfred Gödde die Wahl zum Bürgermeister der Stadt Warstein gewonnen. Das ist sowas von unglaublich! Ich mag diesen provinziellen BG-Kram nicht - tut mir leid, so alt bin ich noch nicht! Mir ist diese Vereinsmeierei und diese Kirchturmtümelei zuwider. Bin ich ein schlechter Demokrat oder ein schlechter Verlierer? Ist mit egal - An dieser Stelle will ich nur ehrlich sein und Flagge zeigen: Peter Wessel wäre der bessere Bürgermeister gewesen. Und ich kann damit leben, der arroganteste Verlierer aller Zeiten zu sein. Die Wahl heute hat das kreative und innovative Potential dieser Stadt um 5 Jahre zurück geworfen - dafür bedanke ich mich bei jedem zweiten Bürger dieser Stadt, der nicht wählen gegangen ist - eure Interessen- und Bedenkenlosigkeit kotzt mich mehr an als alles andere. Meine Güte, was bin ich sauer....

5. Oktober

Liebes Tagebuch, das war ja 'ne scheißen lange Zeit, da wo ich mich nicht gemeldet habe. Streß und immer wieder das Gefühl, ganz dicht dran zu sein - nur noch eine Stunde, nur noch bis Mitternacht; und dann morgen. Morgens vor dem Frühstück schon wieder ran ganz nah dran. So geht das jetzt seit Juli und ich weiß nicht, ob das alles gut für mich ist. Andererseits: Ich steht kurz davor - das weiß ich genau. Am Wochenende hat ein Kumpel zu mir gesagt: "Ey Schmalli, du machst dir deine eigenen Wahrheiten!" Ja gut, solange ich mir nichts vormache, dann geht's ja. Man müsste mal die Midlifecrisis starten - mal was ganz anderes machen; ein paar Leuten sagen, wie dick sie's an der Waffel haben und mal wieder die Rasten schleifen lassen. Aber was soll's - will das einer wissen? Ich hoffe, dass die Warsteiner bald den Bürgermeister wählen, den sie verdienen. Gerade hab' ich Herrn Lehmann gesehen und mich gefragt, ob die Bürgermeisterkandidaten eine Nacht als Barkeeper in einer Kneipe im 88er Berlin heil überstanden hätten. Sicher hätten sie was gelernt, sicher hätten sie diesen Wahlkampf anders aufgezogen, sicher wären sie lernfähig geblieben.

15. Juli

Es wird mal langsam Zeit, die Seite "Danke" aus meiner Homepage zu nehmen - nicht, dass ich undankbar wäre - Nein - ich stehe schon dazu und Dankbarkeit hat auch Sinn. Aber irgendwie verblasst Dankesfähigkeit, je langer man sich durchsetzen muss. Ich glaube mittlerweile nicht mehr an die Magie von Kontakten. Letztendlich bist du allein, wenn du dein Glück schmiedest, da hilft dir kein Schwein. Einer reicht dir Feuer, einer macht am Blasebalg rum, aber den Hammer nimmt dir keiner ab. Daher möchte ich meinen Dank relativieren und sagen: Danke Leute, dass ihr zur richtigen Zeit am richtigen Ort wart. Ich bin aber auch niemandem böse, wenn die gemeinsame Reise dort endete. Schon komisch, manchmal glaube ich, ich arbeite viel zu viel...

12. Juli

Meine Güte, ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Gerade fange ich an, in mir selbst zu ruhen, da werfen mich zwei Dinge aus der Bahn. Zum Einen: ich würde gerne "Die Alm" am Fernsehen kucken - boykottiere so einen Scheiß aber eigentlich und kucke deswegen auch nicht. Aber ich bin vom Konzept hin und weg, vor allem, weil das, was die Promis da erleben genau das ist, was wir im Skiurlaub jedes Jahr haben, vor zwei Jahren war's echt noch schlimmer. Nie war ich so nah dran zu glauben: Ey Schmalli, dein Leben ist eigentlich eine Real-Satire! Dann neulich hatte meine Gattin Besuch. Normalerweise setze ich mich dazu, fress den Damen den Kuchen auf, hol mir den letzten Kaffee aus der Kanne und fange an, ohne Punkt und Komma zu schwätzen. Abends kriege ich dann immer sowas von was auf den Deckel, aber ich bin da wie mein Hund: Es gibt Dinge, die muss ich einfach tun. Beim letzten Mal lief's anders. Ich reiße mich zusammen, packe den Kuchen nicht an, und hol mir ein Mineralwasser aus dem Kühlschrank, nuschel ein "Hallo" und verschwinde im Büro. Abends der Anschiss: "Warum warst du denn so unfreundlich zur Gudrun. Die hat schon gefragt, ob du was gegen Sie hast!" - Ich: "Und was hast du geantwortet?" - "Na halt dass du eher etwas unsicher bist und nicht so recht mit so Situationen umgehen kannst!" - Na, da soll man innerlich ruhen....

2. Juli

Yo, bin schon 43 - scheiße, voll den letzten Geburtstag vergessen. Ist das jetzt schon Demenz oder meine 43 Jahre alte Baseligkeit? Manchmal frage ich mich, wie ich überhaupt bis hierher gekommen bin: 43 Jahre alt, noch alles dran, alles geht noch, sogar die Kinder sind gelungen. Der Hund hört auf mich und immer findet sich ein Weg, um dem direkt angesteuerten Schlamassel doch noch zu entgehen. Komisch wird es, wenn man die drohende Demenz an sich entwickelnden Eigentümlichkeiten erahnt. Z.B. liege ich derzeit mit einem Nachbarn im Clinch wegen unterschiedlicher Auffassung in Sachen Hundeerziehung. Der meint, wir wüssten alles besser, weil wir mal studiert hätten. Stimmt, da lernt man einiges, aber nicht unbedingt, wie man Hunde erzieht. Ich arbeite ergebnisorientiert: Mein Hund hört!

29. Juni

 

42 Jahre alt musste ich werden, um den Gründer der sagenumwobenen Villa Löwenherz und Herrn der Tonenburg kennen zu lernen. Doch was hatte ich verpasst? Einen extrem unfreundlichen Gastronomen zu kennen, Abende am Lagerfeuer aus Apfelsinenkisten und Spanplattenresten, ein in sich zusammen fallendes altes Haus? Kurzum, das muss ich nicht nochmal haben, die nächste Motorradtour geht garantiert woanders hin.

21. Juni

 

Grad habe ich mir den WARSTEINER -Werbespot mit Jürgen Kohler angesehen und ich muss ganz ehrlich sagen - gefällt mir nicht - so ganz neutral tiefenpsychologisch gesehen. Man stelle sich mal vor: Traumvilla, nette Leute, alle haben boheme-mäßig Spass an den Backen. Da schleicht sich einer rein, den keiner kennt und knibbelt von allen Flaschen die Marken ab, dann fängt er noch an Fußball zu spielen und schwer Eindruck auf die anwesenden Yuppie-Damen zu machen. Zum Schluss verschwindet er durch die Hintertür, um sich für die Ligapoints eine Tasche zu holen, die er nicht braucht und einen Ball, den er schon hat. Also: So Gäste können mir gestohlen bleiben. Weil: Sie missachten den eigentlichen Spirit der Festivität, beteiligen sich nicht an der Unterhaltung und haben die Gier im Blick - wahrscheinlich hat er der Gastgeberin noch nicht mal Blumen mitgebracht und ascht in angetrunkene Flaschen.

7. April

Der Wachtelkönig - stakst der eigentlich hochbeinig durch's Feld, fliegt er mit kurzem Flügelschlag oder ist er eher ein Segler? Ist er ein ausgefuchster Überlebenskünstler mit kommunalpolitischem Verständnis, der geschickt seine Chancen nutzt, oder ist er einfach nur ein in seiner Wichtigkeit überbewerteter Vogel, der noch nicht mal fliegen kann? Unter uns: Es gibt ihn gar nicht. Ich hab zumindest noch keinen gesehen - oder er hat sich verkleidet. Zum Beispiel als Amsel. Auf jeden Fall streiten sie sich jetzt drum - Kandidat Wessel und Kandidat Köhler. Genauer gesagt: Um seinen Lebensraum im Naturschutzgebiet. Wer was wann zuerst gesagt hat und ob er das durfte rückt endlich in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung - und mal ehrlich, darauf warten wir doch schon lange, dass endlich mal was passiert, mal was Emotionales in diesem jungen Wahlkampf. Einer musste anfangen, hätte aber nie gedacht, dass ausgerechnet Paul damit anfängt - dachte eigentlich, er hätte das abgelegt. Dabei geht's doch noch um nichts, wie will er denn noch grollen, wenn's wirklich mal um die Wurst geht statt um einen Vogel, den's gar nicht gibt? Was, wenn's mal um wirklich wichtige Vögel geht, den Bullerteichkupferschwan z.B. von dem manche meinen, er könne die Wahl entscheiden. Hoffentlich kümmert er sich auch mit solcher Inbrunst um die Betonschwalbe die ihrer steinernen Höhlen beraubt die letzte Niststätte auf dem Risse-Gelände verliert.

6. April

Früher, wenn das Kaiser-Heinrich-Wasser mal nicht ganz so üppig sprudelte, dann kletterte einer in das Loch, blies der Quelle tüchtig mit dem Dampfstrahler die Nase frei und schon sprudelte es wieder. Heute tröpfelt Beleckes flüssiges Wahrzeichen nicht mehr und keiner hat den Mut in die Tiefe zu steigen und sich der Aufgabe zu stellen. Experten glauben ohnehin, das es nicht mehr weit her sei mit der kaiserlichen Herrlichkeit: Schuld sollen die Baumaßnahmen am Drewerweg sein.

3. April

Melde dich doch mal beim Fernsehen - die Familie ist uneins, für welche Sendung sich das Multitalent Papa melden soll. Meine Frau sagt "Wer wird Millionär?" - weil etwas Geld ist auch was - Meine Töchter meinen "Star Search" - allerdings als Sänger, wo ich doch eher als Comedian gehen würde. Weil: Ich finde mich eigentlich ganz lustig und schlagfertig, zumindest bin ich lustiger als musikalisch.

 

2. April

Der CDU-Stadtverband ist beim Bettenrennen in Niederbergheim im Hippie-Bett gestartet. Die Motivation ist mir noch unklar: Ein Statement für die freie Liebe, 35 Jahre nach der Kommune 1? Oder einfach nur Bekenntnis zum neuen jungen Lebensgefühl - schließlich ist der CDU-Kandidat Peter Wessel ja der jüngste aller vier Kandidaten. Komisch finde ich: Die echten Revoluzzer, die früher die dicke Backe hatten, die blasen sich heute bei der Kappensitzung den Narhallamarsch aus denselben.

 

28. April

Heute ist wieder jemand in meine Browserweichen-Falle getippt. Mit 4er netscape kann man meine Seite nicht sehen und bekommt einen dummen Sprich zu hören. So könne man keine Kunden gewinnen, hörte ich. Andererseits: Kunden, die mit 4er Netscape surfen stehen auf meiner Wunschliste auch nicht ganz oben, weil es eine unsagbare Mühe macht, die Browserkompatibilität zu wahren.

 

27. April

Sorry liebes Tagebuch, aber das waren harte Zeiten die letzten paar Wochen, da hatte ich keine Zeit für dich. Da hatte ich mir arbeitstechnisch etwas zu viel auf den Teller gepackt. Aber irgendwie hat's dann doch geklappt. Ich bin durch den ganzen Stress etwas abgeklärter geworden. Es regt mich nicht mehr ganz so auf, Kunden sagen zu müssen: "Morgen aber ganz bestimmt!", zumal dieser Druck niemals von den Kunden kam (danke noch einmal allen dafür!). Ich hab mir selbst immer vorgemacht morgen wäre gestern und alles immer zu spät. was war sonst seit dem 12. Februar? Skiurlaub, ein seit langem geplanter Arztbesuch und Überlegungen, demnächst alles etwas anders zu machen. Die Entscheidung, mehr Bedeutung haben zu wollen ist gefallen. Aus der Einmann-Show schmallenberg.txt wird sich zwangsläufig in den kommenden Monaten eine echte Firma entwickeln. Nur ob das gut ist, das weiß ich immer noch nicht so ganz genau, da schwanke ich noch. Letztendlich sind diese einsamen Nächte vor dem Rechner aber doch unsäglich unprofessionell. Da wird mehr Struktur reinkommen, egal ob im Team oder weiter allein. Heute sollte ich einem helfen und das erste mal in meinem Leben habe ich gesagt: "Gut, ich komme, aber dann schreibe ich Ihnen auch eine Rechnung!" - Da war es dann auf einmal gar nicht mehr so wichtig.

 

12. Februar

Sodala, endlich mal wieder Zeit für mein Tagebuch - alle zuppen an mir 'rum, plötzlich soll ich für alle arbeiten. Hier mal schnell einen Shop basteln, da mal schnell eine neue Existenz aus dem Boden kloppen und zwischendurch für die WP zur Jahreshauptversammlung der Turnabteilung. Früher habe ich meinen Kindern gesagt, "Gefahr" wäre mein zweiter Name, wenn ich's mir recht überlege, dann sollen sie ab sofort "Chef" zu mir sagen, damit ich mir vorstellen könnte, ich wäre Arbeitgeber und hätte ganz viele Leute, die die ganze Arbeit für mich machen. Aber es gibt Licht am Horizont: Die Warsteiner Karnevalsprinzessin ordnet jetzt meinen ganzen Papierkram, heftet die Kontoauszüge ab und meldet sich, wenn ich meine Leute daran erinnern soll, dass sie ihre Rechnungen noch nicht bezahlt haben. Das ist ein schönes Gefühl: Ob die Leute zahlen oder nicht, dass ist mir echt egal, solange was im Kühlschrank ist, aber dass ich mich da nicht mehr drum kümmern muss, dass finde ich wirklich klasse - Vielen Dank Frau Enste!!!

26. Januar

"Ausländer raus" hat jemand auf die Wand gesprüht. Ziemlich groß, ziemlich fehlerfrei und im Farbton passend - so als hätte es da immer schon gestanden. Betrübt mich das eigentlich, glaube ich jetzt, dass es volksverhetzende Ausländerfeinde in Warstein gibt? Oder denke ich: Der arme Kückelhaus, der muss den Scheiß jetzt wegmachen. Aber mal im Ernst: Soll man sich Gedanken machen um ein paar blöde Blagen, auf die Nachts keiner aufpasst? Da liegt nämlich das Problem: Kinder sind nicht ausländerfeindlich - sie haben vielleicht nur nix Spannenderes zu tun.

21. Januar

Es ist passiert - ich habe heute zum ersten Mal seit 2004 einen Termin verpasst, bei den anderen verpassten Terminen hab ich immer nur gesagt, ich hätte sie verpasst, in Wirklichkeit hab ich was ganz anderes gemacht - warum auch immer. Sowas nennt man Strategie. Wir Unternehmer bedienen uns ab und an solcher Notlügen um überhaupt den Alltag meistern zu können, dies sei den Angestellten unter den Lesern dieses Tagesbuchs erklärt. Jetzt aber ist es wirklich passiert: Der Supergau, der sich irgendwo zwischen Alzheimer und reinster Demenz einordnet, ist geschehen. Ich habe Frau Witte warten lassen, und Frau Witte hat das nicht verdient, und ich hätte alle zeit der Welt gehabt. Aber wie konnte das passieren? Ich hab Kaffee getrunken mit meiner Schwester, dummes Zeugs gelabert, über die Zukunft sinniert und dabei die Gegenwart vergessen. Als ich dann den Kaffeeweißer sah gab ein Wortspiel das andere, Weiß, weißen --> Witte :o) Es ist passiert Frau Witte, und es tut mir leid. Gleich morgen ruf ich an und erklär Ihnen das - hoffentlich vergesse ich nicht, das in mein Outlook einzutragen, denn das ist der Anfang vom Ende: Die Analyse ergab: Frau Witte stand nicht im Outlook, ich wusste dass dieser Terminsklave irgendwann der Anfang unvermeidlichen Moralverlustes sein würde. Ich werde mir eine schlimme Dschungelprüfung auferlegen und so Buße tun. Apropos Moralverlust: Karneval fahr ich weg, ab in den Schnee, da könnt ihr euch Nasen aufsetzen wie ihr wollt.....

14. Januar

Die Aera Flaig beendet - auf der Suche nach Dingen die mich wirklich interessieren werde ich auch auf Paul Köhlers-Hobby-Homepage nicht fündig. Schade eigentlich, ich hatte mich noch auf ein paar zündende Wahlkampf-Ideen von Gerd Flaig gefreut. Ein Wahlkämpfer, dessen oberstes Ziel Vernunft und Sachlichkeit ist, bleibt uns jetzt leider (?) erspart, dafür kann's jetzt lustig werden, wobei mich der Ablauf des Showdowns zwischen Gerd und Paul doch interessiert hätte. Komisch auch, dass keine der Zeitungen vor Ort wirklich gerafft hat, was da abgegangen ist. Einen Kommentar habe ich - glaube im Anzeiger - gelesen, der troff sowas von Fehleinschätzung der Lage in der SPD, dass ich mich sogar mal wieder wundern musste. Da hätte ich jahrelangen Wegbegleitern von Gerd Flaig etwas mehr Gespür für Realitäten zugetraut.

2. Januar

Grad wär mir fast der Hund im Gartenteich ertrunken. Muss man sich mal vorstellen. Vielleicht lernt er draus und kommt nur dann, wenn man ihn ruft. Ist aber auch so eine Sache auf dünnem Eis...Gerade hat Susanne von der WP angerufen und hat mir die Wochenend-Termine gegeben. Zurück an Bord - zum Glück, denn so ganz ohne Zeitung kann ich nicht. Außerdem ist das Eis im Zeitungsrevier ziemlich dick, da brech' ich nicht so schnell ein, dass überlass ich den Newbies....

1. Januar

Was nehme ich mir vor für 2004. Zum einen muss ich endlich den Schlüssel finden für die nächste Stufe des Selbständigen-Zen: Zufriedenheit. Stufe 1. "Überleben", Stufe 2 "Irgendwie klarkommen" habe ich ereicht. Zufriedenheit soll 2004 kommen. ich weiß noch nicht genau, wie ich's machen soll: Entweder ich baue Neid ab oder Grund zur Selbstzufriedenheit auf. Letztendlich ist das Leben sowas wie ein Silvesterlauf: Alles geben, Überleben, ankommen und akzeptieren, dass es schnellere Leute gibt, aber auch noch ganz viele hinter dir. Vielleicht überspringe ich Zufriedenheit und stoße gleich zur Weisheit vor...

 

25. Dezember

Na artig gewesen, ich ja, sonst hätte es nicht so tolle Geschenke gegeben. Nicht ganz so freue ich mich über das Geschenk der Stadt Warstein an kinderreiche Familien - denen wird nämlich mirnichtsdirnichts was vom Familienpass abgezwackt. Gute, sparen müssen wir alle und Schwimmen Können ist nicht das Wichtigste auf der Welt - Hammer ist aber mal wieder, wie so ein Thema wie der Zuschuss zu Schwimm-Wertkarten offenbar absichtlich in der Diskussion flach gehalten wird, damit alle erst das Debattieren anfangen, wenn's zu spät ist. Fair wäre, zumindest die Familienpass-Inhaber darauf hinzuweisen, dass ein Ausflug mit der Familie ins Allwetterbad nächstes Jahr doppelt so teuer wird, damit man sich darauf einstellen kann, bzw. es sein lässt - letzteres wird der Effekt sein! Ich persönlich habe von dieser Steuerreform gar nichts, weil die Pleitekommune mir das über Schwimmbadeintritt und Musikschule wieder abknöpft. Die Steuerreform ist demnach nicht mehr als eine Subventionierung maroder Stadtkassen. Schade...

Gut, habe ich Erwartungen geschürt, muss man sie nun auch irgendwie erfüllen. Ich habe mir gedacht: Mach das mal wie ein Tagebuch! Jeden Tag etwas, dann kommen die Leute auch öfter. Fangen wir also an!

 

17. Dezember

jetzt stehe ich unter Druck, muss erzählen, warum ich glaube, dass Paul Köhler Bürgermeister wird. Eigentlich glaube ich es gar nicht wirklich und ich korrigiere bzw. konkretisiere  meine Aussage: Wären heute Wahlen, würde Paul Köhler Bürgermeister. Warum? Keiner der drei Kandidaten könnte die absolute Mehrheit erreichen, da das konservative Lager die Mehrheit hat und diese Mehrheit splittet. Im für ihn besten aller theoretisch möglichen Fälle bekäme Paul Köhler 49 Prozent aller Stimmen. Für die nächsten Posten müssen wir spekulieren: Wer wird Nummer zwei? Manfred Gödde oder Peter Wessel? Bekommt Gödde 26 Prozent und Wessel 25 Prozent, dann steigt Manfred in den Ring im Bewusstsein, dass ihn die 49 Prozent, die vorher Paul Köhler gewählt haben, nicht wählen werden, und die 23 Prozent, die Peter Wessel gewählt haben, werden ihn auch nicht wählen. Unterm Strich wäre das ein 49 + 1,5 garantiert für Paul Köhler.

Exakt so ist es bei der Juraschka-Wahl gelaufen und so wird es auch bei der nächsten Wahl laufen. Wenn nicht, ja wenn nicht: Peter Wessel holt sich schon im Vorfeld ein paar Stimmen von Paul und ein paar von Manfred, was so schwierig nicht ist, beide haben Ecken und Kanten, da kann man ohne viel Blut vergießen Boden gewinnen. Was auf keinen Fall passieren darf: Eine Abgrenzung zum Gödde-Lager, eventuell sogar mit Kampfansage oder das Ausgraben alter Empfindlichkeiten. So könnten die 49 % für Köhler schon vor der Stichwahl verkleinert werden und Gödde könnte auf den 3. Platz verdrängt werden, was seiner Anhängerschaft die Möglichkeit gäbe, ohne Gesichtsverlust die Konservative Facon zu behalten. Peter Wessels Problem ist, dass Manfred ihm die Stimmen nimmt, nicht Paul Köhler und da wäre z.B. im Vorfeld etwas zu verhandeln - auch auf der offiziellen Ebene - quasi ein Bündnis gegen die SPD. Beim Versuch, seine Chancen realistisch zu sehen, wird Manfred Gödde einsehen, dass er zwar ein Kandidat der Herzen, aber niemals ein Bürgermeister der Mehrheit werden kann - dafür wahlkämpfen seine Parteifreunde einfach viel zu ungeschickt. Und dann: Was wäre dem Bürgermeister Wessel den ein Schulterschluss mit der BG wert? Das kann man verhandeln ohne zu kungeln und würde der BG endlich den Einfluss verschaffen, den sie im Rat nicht realisiert bekommt (Ortsvorsteher, Mitsprache).

Das sind jetzt alles Planspiele, aber ich glaube, dass das alles sehr offen ist und offener wird sobald aus unserer Drei-Parteien-Stadt (oh sorry, sollte ich "dreieinhalb" sagen, 'tschuldigung Werner!) ein polarisierendes Gebilde wird, dann steht's fifty-fifty wobei sich eine Hälfte bewusst sein muss ob man nun von CDU-Kompetenz oder BG-Gefühl regiert werden will....

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