| Wolfsschanze |
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Reisebericht Polen/Masuren (1) Polen erinnert an die Opfer, nicht an die Täter! - Gemischte Gefühle bei der Anfahrt zum ehemaligen Führerhauptquartier Wolfsschanze im heutigen Gierloz. Ein großer Wolf ziert das richtungsweisende Plakat, gerade so, als habe hier ein stolzer und mächtiger Jäger gelauert statt eines geisteskranken Psychopaten, der von der Wolfsschanze aus nicht nur die Einnahme des Lebensraumes im Osten initiierte, sondern hier auch geplanten Massenmord vorantrieb. An all das erinnert heute nichts mehr. Auf dem belebten Parkplatz reiht sich Bus an Bus und stets wird Nachschub an Besichtigungstouristen aus Deutschland herangeschafft. Parkgebühr und Eintritt halten sich in Grenzen. Was beim Gang durch die Bunkerruinen sofort auffällt, ist die vollständige Entpolitisierung und Enthistorisierung des Arreals. Nur an das Stauffenberg-Attentat und die Opfer bei der Entminung des Geländes wird erinnert - ansonsten wird hier Beton im Wald gezeigt. Warum die Bunkerreste so unkommentiert vom umliegenden Wald geschluckt werden, bleibt dem Besucher verschlossen. Vermutlich fällt auch die nachkriegszeitliche Bedeutungslosigkeit der Wolfsschanze dem allgemeinen Vergessen zum Opfer, das sich in Polens Osten über die deutsche Vergangenheit gelegt hat. Das ehemalige Ostpreußen hat hier im öffentlichen Leben nichts hinterlassen, was an alte großdeutsche Herrlichkeit erinnert. Sensburg heißt heute Mragowo. Zurück in den Wald bei Görlitz. Die Reste der Bunkeranlagen lassen keine Rückschlüsse zu, auf das, was hier passiert ist, allenfalls zeugt die Mächtigkeit des unzerstörbaren Gebäudes Nr. 13 von bodenlosem Misstrauen und großer Angst, dass den Bewohnern der Himmel auf den Kopf fallen möge. Hitlers Bunker ist den Verantwortlichen des Bunkerparkes nicht mal ein Hinweisschild wert, und vielleicht ist es gut so, denn eine Heldenverehrung kann und darf hier nicht stattfinden. So drängen sich eher Fragen auf nach Verfolgungswahn und Psychopathie, aber auch nach der Vergänglichkeit von Macht und Größe. Auf dem Weg zu Görings Haus passiert man einen alten Wachturm, an dem ein Rest der damals typischen Verputzes klebt. Dies ist der einzige Fleck im ganzen Gelände, der eine Antwort liefert. Der Putz ist natürlicher Oberfläche nachempfunden und war von der Luftaufklärung nicht als Beton zu identifizieren. Man lechzt nach solchen konkreten Hinweisen, möchte wissen, wozu dieses Rohr dort und dieser Schacht hier gut war. Der deutsche Besucher wird auf der Suche nach den Spuren seiner Vergangenheit enttäuscht. Andererseits, wie geht Deutschland selbst mit dieser Vergangenheit um? Haben wir nicht gelernt, alles zu verdrängen, was mit großdeutscher Hoffung zu tun hat und war es nicht die beste Therapie? Die Wolfsschanze lockt heute Touristen mit Geld in eine der ärmeren Regionen Polens, und das ist das beste, was sie je gemacht hat. 800 Tage hat Adolf Hitler in der Wolfsschanze gelebt, wir sind nach einer Stunde wieder weg... Sie möchten diesen Text veröffentlichen? Bitte Mail an {moscomment} |










